Kranke Kunst

System K ist ein Film, in dem Menschen durch Schöpfung von Kunst überleben. Vier Jahre hat es gedauert, bis der Film fertig gestellt werden konnte.
Der Film zeigt uns, dass Kunst sich nicht beschränken lässt. Egal, ob man in Armut oder in Luxus lebt, man kann Kunst schöpfen.
Im System K sieht man Menschen , die in Armut leben. In dieser Situation bringt Kunst ihnen Hoffnung.
In dieser Stadt gibt es eine Art Protestkunst, die nach freien Glauben, Religion und ethnischen Gruppen suchen. Die Stadt ist voll mit armen Menschen, die das System missachten, sie gestalten ihr eigenes System.
Kunst gibt den Menschen Hoffnung, sowohl den Künstlern als auch der Bevölkerung, um für eigenen Ziele zu kämpfen und sie zu erreichen. Von daher ist der Film sehr empfehlenswert.

Film: System K, Sektion Panorama, Regie: Renaud Barret

Text von sajadbayeqra

 

Früher oder später

Der Film handelt von einer behinderten jungen Frau, die auf der Suche nach ihrer Identität ist. Hikari (37 Sekunden), Sektion Panorama zeigt den Weg. Die Schwierigkeiten auf diesem Weg sind: ohne Vater aufzuwachsen, ohne Sex und enge Freunde. Mit diesen Leerstellen findet sie sich in ihrem Leben nicht zu recht und kann es nicht geniessen. Ihre Mutter leidet mit. Dieses Mitleid führt dazu, dass sie nicht selbständig leben kann. Es fehlt diese Selbständigkeit in ihrem Leben. Zu beginn des Films steht der Erfolg einer Kollegin, die ihr Zeichentalent ausnutzt. Die Kollegin veröffentlicht ihr Comicbuch unter eigenem Namen und startet damit eine Karriere. Dies ist schwer für die junge Frau. Sie gibt nicht auf und findet eine neue Herausforderung: Sie zeichnet ein Porno-Comicbuch. Dadurch sammelt sie neue Erfahrungen: neuen Lifestyle, mehr Spaß im Leben, Erweiterung der Freundkreise. Das ist der Moment im Filme, wenn sie nach ihrer Identität sucht. Sie weiss kaum etwas über ihre Vergangenheit, was sie in ihrer Kindheit erlebt hat. Sie sucht nach ihrem Vater, um mehr über sich selbst heraus zu finden. Dabei erfährt sie etwas Neues: Ihre Zwilingsschwester wurde 37 Sekunden früher als die Protoganistin geboren. Sie ist aber nicht behindert. Die Protoganistin leidet unter einer körperliche Behinderung wegen dieser 37 Sekunden, in denen sie ohne Sauerstoff war. Im Laufe des Films erreicht sie etwas Besonderes: ihre Identität. Fast am Ende des Films sagt sie einem Freund, der ihr bei der Suche nach der Schwester geholfen hatte: „Es wäre gut, wenn ich 37 Sekunden früher geboren wäre … vielleicht ist es so auch gut, dass ich 37 Sekunde später geboren bin.“

Texxt von sajadbayeqra

Filmemacherin des Lebens

Der Film Varda par Agnès ist eine Art „Teaching Film“ von Agnès Varda, die über 65 Jahre Filme gedreht hat. Der Film ist ein Dokumentarfilm, der in der Sektion Wettbewerb (außer Konkurrenz) gezeigt wurde. Varda erzählt darin über ihre Erfahrungen, Perspektive, Filmtechniken, Motivationen in ihrem gesamten Werk.
Ich fokussiere mich hier auf die Vermittlung und Wahrnehmung von Zeit in ihrem Film Cléo de 5 à 7.
Unsere Zeitwahrnehmung funktioniert wie ein temporales Kontinuum, Varda beschreibt es als subjektive Zeit. Unsere subjektive Zeit wird von Situationen, Emotionen und anderen Faktoren beeinflusst. Es unterscheidet sich von dem, was die mechanische Uhr vorgibt. Die Uhr zeigt uns die lineare Zeit: Diese Zeit nennt Varda objektive Zeit.  Agnès Varda setzt in ihrem Film Cléo de 5 à 7 die subjekte Zeit um. Sie beschreibt, wie sie während der Produktion aus finanziellen Gründen auf Dinge verzichten musste. Sie sagt darüber: „Ich musste in dieser Beschränkung kreativ sein. Daher drehte ich einen Film, der an einem Nachmittag spielt.“
Varda stellt diese subjektive Zeit als eine Echtzeit zwischen 5 und 7 Uhr an einem Mittwoch dar, damit sie die gesamten 2 Stunden des Tages, fast ohne Unterbrechung als Lebenszeit, den Fluss der Zeit, zeigen kann. Agnès Varda wendet andere Gesetze für Zeitvermittlung in ihrem Film an.
Dieses Film-Selbstporträt von Agnès Varda könnte ich mehrmals sehen, weil ich jedes Mal neue Aspekte begreifen kann. Dabei lerne ich vieles über das Kino.

Text von Atefeh

A little bit of everything!

Daaaad…Daddy…Dadddd.. Daaaaaaaadd…

His father calmly answer: Jaa?!

-Can we seat there?! No theeeere, no there,

The father just follows.

40 minutes walk to the first cinema and then 36 minutes to the next one because of public transport strike in Berlin…

Beautiful healthy day.

The second cinema is showing Short Generation Kplus II.

The first movie starts and an annoying voice over (live translator) didn’t let me to get into the movie, but after a while you get along when the dialogue finishes.

I cried a bit during the first one and the same with the second one, suddenly the translator mentions that this movie is not belonging to this section… the movie continues…

After 2 minutes she mentions: Even well experienced might fail sometimes! Then everywhere darkness.

The 3rd one starts and a nice music leads me to falling sleep…

I just found it fascinating watching Generation movies because anyway once upon a time I passed that age and its easier to sympathize and flow your emotions …

I had a little bit of everything. Cry, smile, excitement and nap.

Text by

Vor und im Aufzug

Dieser Workshop ist besonders: Wir treffen uns in der 16 Etage eines ehemaligen Hotels, diskutieren Filme und schreiben Texte. Hier hinauf zu kommen dauert manchmal eine Ewigkeit. Jeder, der es nach oben schafft, sagt: Die Fahrt hier hinauf wäre ein Kurzfilm oder auch drei Kurzfilme: Das Warten auf den Aufzug, (gestern erst erzählte jemand, eine Frau sei in Tränen ausgebrochen und dann weggerannt), die Fahrt nach oben (der Aufzug hält in etlichen Etagen, die Türen öffnen sich und niemand steigt ein) und das Treppenhaus (sobald der Aufzug ausfällt, müssen die 16 Etagen zu Fuß bewältigt werden). Im Haus wohnen seit zwei Jahren geflüchtete Menschen zusammen mit Bewohnern, die seit 30 Jahren im ehemaligen Hotel Bellevue leben. Momentan ist einer der beiden Aufzüge außer Betrieb, so dass sich beide Bewohnergruppen, die vorher getrennt Aufzüge benutzen, jetzt mischen. Abends, wenn wir nach Hause fahren, tümmeln sich Teenager im Lift, Mädchen mit Vokabelheften, die sich gegenseitig Konjunktionen abfragen. Von hier oben blicken wir auf die Stadt und die Berlinale, die ganz nah am Potsdamer Platz stattfindet, für uns der perfekte Ausgangsort für die Kinobesuche, Treffen, das gemeinsame Kochen und Essen, Veröffentlichen. Es wird wohl das letzte Jahr sein. Ende 2019 müssen alle ausziehen.

Text von cnskatja

12 frames per second

Breathless Animals is a poetic documentary. A kind of photo film where of course, photos move or objects in photos move with the help of editing. So it could rise this question again: What is a motion picture?

The director Lei Lei uses different materials: photos, slides and film in order to tell fragments from her life in the sixties and seventies, and to tell the story of her childhood, of her family and the society that she lived in, in 1970s and 1980s. Through her story, we have a journey through history, that shows a conflict between tradition and modernity and how life has changed over the years in China.

The movie gives informations about Chinese culture and it’s history. It is an episodic film and well structured. You have many photos of different objects that we use or people in China use in their ordinary life from different angles: bicycles, bathrooms, beds, sheets, chairs and then the city: streets, markets, people, sidewalks and so on. From them you can see the architect of the city. The photos have a great sense of aesthetic. The promotional billboards on the walls in streets are something that gets the attention. On one for example we see an ugly image of a happy family with one child. The picture was painted on the wall in one of the main streets in Beijing and below was written: Only one child is enough. The photos actually looked a lot like Chinese paintings.

The director had access not only to an interesting archive but also he had a great amount of old personal photos and materials. I could not of course get all the cultural references. I have to do some research in order to get into details about the political and social events of the 1970s and 80s in China. Weiterlesen „12 frames per second“

Absurd existiert

Es ist nicht wichtig, was man sieht, sondern es ist wichtig, was man sich vorstellt. Der Film „Souls le sable“ von Francois Ozon in der Sektion Hommage zeigt ein Paar, eine Frau mit ihrem Mann, aus ihrer Perspektive. Plötzlich verschwindet der Mann und seine Frau sucht ihn.

Nach dem er verschwunden ist, kann sie ihn nicht vergessen. Die Frau schöpft für sich eine eigene, neue Welt. Sie lebt darin an der Grenze zwischen Realität und Illusion, in einer absurden Atomsphäre. Sie kann nicht akzeptieren, dass ihr Mann verschwunden ist. Sie verdrängt jeden Gedanken an Tod und denkt die ganze Zeit an das Leben. Wir sehen sie während einer Wohnungsbesichtigung. Mit dem Vermieter verabredet sie, dass sie die Wohnung nehmen möchte. Sie guckt aus einem der Wohungsfenster und sieht einen Friedhof. Sie ist aufgewühlt und sagt dem Vermieter plötzlich ab. Sie will die Wohnung nicht mehr haben.

Ihr Mann sucht auch ein anderes absurdes Leben. Vielleicht heißt es in diesem Fall: „Tod“. Eigentlich suchen beide ein absurdes Leben, aber in unterschiedlichen Rihtungen. Der Film zeigt dieses absurde Leben dadurch, dass sie in ihrer Einsamkeit ihren Mann als Erscheinung sieht. Sie lebt mit ihm. Sie hört seine Stimme. Sie spricht mit ihm, alles ihre Illusion. Ich denke, der Film wird mit der Illusion enden. Offenes Ende.

Text von mehradsepahnia

Kunst ist eine Art Widerstand

Der Film System K zeigt uns eine Stadt, die eine spezielle Stadt ist. Der Zustand der Stadt lässt die Zivilisation eines Landes beschreiben. Kinshasa ist weder eine moderne Stadt noch eine primitive Stadt. Obwohl viele Ressourcen in der Stadt existieren, hat Kinshasa weder Stromversorgung noch Trinkwasser. Es scheint, dass die Stadt zu einem anderen Planeten gehört.
Wenn wir anfangen über Kongos Geschichte zu recherchieren, merken wir, warum die Ressourcen kaum genutzt werden. Der Grund ist Politik; Politik ist dabei! Der Film zeigt, dass in Kinshasa viele Kunst-Performances live auf der Straße stattfinden. Die Künstler produzieren aus Müll neue Kunstwerke. Sie besetzen die Gegenstände mit neuer Orginalität, die eine Echtzeit haben, Walter Benjamin nennt es die Aura des Kunstwerks. Die Kunstwerke, die aus nicht mehr gebrauchten Gegenständen entstehen, haben eine eigene Aura: „Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtzeit.“ (Benjamin, 1963: 11)
Urban Art besteht aus der Begegnung mit der Stadt, durch sie reflektieren die Künstler_innen, die Wahrheit dieser Begegnung in ihrer Kunst. Im Film wird gezeigt, dass die Presse nicht über die Stadt berichtet. Keine Nachrichten! Die Presse gegen die Stadt und die Künstler gegen die Presse. Hier spielt Politik eine Rolle.
Überlassen wir Martin Heidegger das Schlusswort: „Im Werk der Kunst hat sich die Wahrheit des Seienden ins Werk gesetzt.“ (Heidegger, 1950:21)

Quellen:
Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1963.
Martin Heidegger: Holzwege ( GA 5), Vittorio Klostermann GmbH, Frankfurt am Main 1950.

Text von mehradsepahnia

Nah und doch so fern

Ihr Leben lang erlebt sie einen Traum, den sie nicht verwirklichen kann.
Sie läuft herum, hier und da, beobachtet die Menschen, die sie nicht kennt. Sie nimmt jedes Geräusch wahr, jedes Wort, hört es am Abend und denkt darüber nach.
Jeden Tag das gleiche, nichts hat sich verändert, aber es würde sich etwas verändern, wenn das unser Ziel wäre: die Selbstverwirklichung der Frau

Film: Die Reise nach Lyon, Regie: Claudia von Aleman, 1980, Retrospektive

Text von Ziyad Ahmed



Galvanizing thoughts

„Seven years ago, I was here in Berlin performing at the Schaubühne and seven years later I’m standing introducing my first feature film,” thats how the young filmmaker and actor Alexander Gorchilin introduced his film Kislota (Acid) at the Berlinale 69 in section Panorama.

Switching Lightning, freighting scenes, a flooded apartment, a toilet in the middle of the room, Vanya naked jumps to his death off a balcony. ‘If you want to jump, jump,’ Pete had told him. Before.

The young director Gorchilin answered regarding the domination of the fatherless characters: “its a common phenomena in Russia that children are fatherless, and the father is either in prison, out of the country or died.”

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