Filmemacherin des Lebens

Der Film Varda par Agnès ist eine Art „Teaching Film“ von Agnès Varda, die über 65 Jahre Filme gedreht hat. Der Film ist ein Dokumentarfilm, der in der Sektion Wettbewerb (außer Konkurrenz) gezeigt wurde. Varda erzählt darin über ihre Erfahrungen, Perspektive, Filmtechniken, Motivationen in ihrem gesamten Werk.
Ich fokussiere mich hier auf die Vermittlung und Wahrnehmung von Zeit in ihrem Film Cléo de 5 à 7.
Unsere Zeitwahrnehmung funktioniert wie ein temporales Kontinuum, Varda beschreibt es als subjektive Zeit. Unsere subjektive Zeit wird von Situationen, Emotionen und anderen Faktoren beeinflusst. Es unterscheidet sich von dem, was die mechanische Uhr vorgibt. Die Uhr zeigt uns die lineare Zeit: Diese Zeit nennt Varda objektive Zeit.  Agnès Varda setzt in ihrem Film Cléo de 5 à 7 die subjekte Zeit um. Sie beschreibt, wie sie während der Produktion aus finanziellen Gründen auf Dinge verzichten musste. Sie sagt darüber: „Ich musste in dieser Beschränkung kreativ sein. Daher drehte ich einen Film, der an einem Nachmittag spielt.“
Varda stellt diese subjektive Zeit als eine Echtzeit zwischen 5 und 7 Uhr an einem Mittwoch dar, damit sie die gesamten 2 Stunden des Tages, fast ohne Unterbrechung als Lebenszeit, den Fluss der Zeit, zeigen kann. Agnès Varda wendet andere Gesetze für Zeitvermittlung in ihrem Film an.
Dieses Film-Selbstporträt von Agnès Varda könnte ich mehrmals sehen, weil ich jedes Mal neue Aspekte begreifen kann. Dabei lerne ich vieles über das Kino.

Text von Atefeh

Ein buntes Filmerlebnis

Ich kann mich nicht so richtig erinnern, wann ich zum letzten Mal einen Film mit Kindern als Hauptpublikum in einem großen Kino gesehen habe. Die Kurzfilmprogramme 1 und 2 in der Sektion Generation zu schauen, hat den Vorteil, im Vergleich zu anderen Kinos und Vorführungen der Berlinale, in eine unerwartete Atmosphäre zu geraten.
Die Kinder reagieren sehr schnell auf die Filme. Sie lachen laut. Einige kommentieren den Film während des Schauens. Andere gaben Vermutungen ab über die nächste Szene. Mal erfolgreich, mal nicht. Wenn die Schätzung erfolgreich war, reagierten andere Kinder auf diesem Erfolg. Hinter mir saß ein etwa 3 jähriger Junge Er erzählte seinen Vater, der neben ihm sitze, laut, was im Film geschah. Im erstem Film sagte er laut: „Papa, der Bus und der Löwe.“, im zweiten: „Papa, der Bus kommt.“, und im dritten: „Der Bus“. Der Bus war sein attraktives Motiv. Solche Motive lassen sich nie mit einem erwachsenen Publikum als Attraktion finden, deswegen war es für mich ein schönes Erlebnis mit Kindern Kinderfilme gemeinsam zu sehen und ihre Reaktion zu erleben.
Der zweite Punkt, der mir auffiel, war der große Anteil an Regisseurinnen in den Generation-Filmen. Im Programm 2 gab es fünf Kurzfilme aus fünf verschiedenen Ländern. Vier davon waren von Regisseurinnen realisiert. Ich finde es interessant, dass Berlinale für die gleiche Präsenz von Frauen und Männern steht (1). Zusammengefasst: Es war ein buntes Filmerlebnis im Haus der Kulturen der Welt

  1. Berlin Morgen Post (https://www.morgenpost.de/vermischtes/article216404283/Berlinale-Fuer-gleiche-Praesenz-von-Frauen-und-Maennern.html) Abrufdatum: 14.02.2019.

Text von Atefeh


Die Stadt als Bühne begreifen

Urban Art in Kongos Hauptstadt Kinshasa, als Standort für lebendige Kunst, die die Stadt als ihre Bühne begreift. Hier begegnen sich Kunst mit der Herausforderung der Umsetzung im öffentlichen Raum und mit den politischen, gesellschaftlichen Problemen einer afrikanischen Metropole. Der Film System K von Renaud Barrett (Sektion Panorama) berichtet über das Leben der Urban Art Künstler sowie Künstlerinnen und der Entstehung ihrer Werke.

System K beginnt mit der Darstellung des Chaos auf den Straßen. Die schmutzigen vollen Straßen, ihren vielen Menschen, voller Noise, Gerüchen und Abfall. Man kann sogar die Fahrtbahn der Fahrzeuge nicht klar von den Bürgersteigen unterscheiden. Man bekommt einen Überblick von der Stadt gefilmt von einem Helikopter. In diesem Chaosleben protestieren die Künstler bewusst mit ihrer Kunst gegen diese Situation. In diesem Sinne ist die Kunst nicht mehr museale Kunst, die im Ausstellungsraum gezeigt wird, sondern es ist mit dem Protest gegen die Situation der Stadt verbunden.

Der Film stellt verschiedene Künstler vor; eine davon ist eine Malerin. Sie bringt ihre Gemälde auf die Straße, hängt sie an die Fassaden der Gebäude an und lässt die Bewohner und Kinder darüber sprechen. Sie erzählt im Film über ihre eigenen Kunstwerke: „Wir suchen nach anderen Visionen, in den Momenten, wenn wir die Gesellschaft spiegeln.“

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Magischer Realismus der Dinge

Besonders die Narration von „Das Mass der Dinge“, Regie Carlos Felipe Montoya, hat mich überzeugt über die Arbeit, die im Kurzfilmprogramm 2 der Sektion Generation lief, zu schreiben. Der Film geschafft es eine Brücke zwischen Literatur und Film zu bauen, in dem er die Erzählformen des magischen Realismus verwendet: Ich Erzähler und Magie in einer realen Situation.

Die Form und der Inhalt haben die gleiche Erzählweise, die des magischen Realismus. Der Protagonist nimmt die Natur und die „Dinge“ aus seiner Perspektive wahr. Wir folgen ihm und seinen Gefühlen zu den Dingen. Sein Körper ist im Vergleich zu Dingen in seiner Umgebung klein, da er ein Kind ist. Die Beziehung zwischen dem Mass der Dinge und der persönlichen Wahrnehmung durch den Menschen ist meiner Meinung nach das Hauptthema des Filmes. Die Geschichte ist eine reale Erzählung in einer realen Situation. Alles ist normal außer ein Stuhl. Der verändert plötzlich seine Masse. Diese Veränderung ist für mich die höchste dramaturgische Attraktion des Films.

Die Ästhetik des Filmes ist im Vergleich mit anderem Kurzfilmen des Kurzfilmprograms Generation 2 eindrucksvoll. Der Kontrast der Farben ist teilweise sehr hoch. Wir sehen kalte Farben zusammen mit warmen Farben. In einigen Momenten sind die Farben miteinander gemischt. Die Farben des Filmes erzählen auch die Geschichte, sie helfen den magischen Realismus zu realisieren, sozusagen synästhetisch lässt sich die literarische Geschichte durch die Farben fühlen.

Text von Atefeh