Filmemacherin des Lebens

Der Film Varda par Agnès ist eine Art „Teaching Film“ von Agnès Varda, die über 65 Jahre Filme gedreht hat. Der Film ist ein Dokumentarfilm, der in der Sektion Wettbewerb (außer Konkurrenz) gezeigt wurde. Varda erzählt darin über ihre Erfahrungen, Perspektive, Filmtechniken, Motivationen in ihrem gesamten Werk.
Ich fokussiere mich hier auf die Vermittlung und Wahrnehmung von Zeit in ihrem Film Cléo de 5 à 7.
Unsere Zeitwahrnehmung funktioniert wie ein temporales Kontinuum, Varda beschreibt es als subjektive Zeit. Unsere subjektive Zeit wird von Situationen, Emotionen und anderen Faktoren beeinflusst. Es unterscheidet sich von dem, was die mechanische Uhr vorgibt. Die Uhr zeigt uns die lineare Zeit: Diese Zeit nennt Varda objektive Zeit.  Agnès Varda setzt in ihrem Film Cléo de 5 à 7 die subjekte Zeit um. Sie beschreibt, wie sie während der Produktion aus finanziellen Gründen auf Dinge verzichten musste. Sie sagt darüber: „Ich musste in dieser Beschränkung kreativ sein. Daher drehte ich einen Film, der an einem Nachmittag spielt.“
Varda stellt diese subjektive Zeit als eine Echtzeit zwischen 5 und 7 Uhr an einem Mittwoch dar, damit sie die gesamten 2 Stunden des Tages, fast ohne Unterbrechung als Lebenszeit, den Fluss der Zeit, zeigen kann. Agnès Varda wendet andere Gesetze für Zeitvermittlung in ihrem Film an.
Dieses Film-Selbstporträt von Agnès Varda könnte ich mehrmals sehen, weil ich jedes Mal neue Aspekte begreifen kann. Dabei lerne ich vieles über das Kino.

Text von Atefeh

Das Schweigen Gottes

Sex ist ein Tabu, deswegen möchten die Menschen nicht darüber diskutieren. Hier stellt sich die Frage, können wir sexuellen Missbrauch Sex nennen? Missbrauch ist geheimnisvoll. Was passiert nach dem Missbrauch? Einerseits will man darüber reden, andererseits kann man es nicht tun. Der Film „Grâce à Dieu“ von François Ozon (Sektion Wettbewerb) stellt diese Frage.

Priester Bernhard Preyant hat mindestens 70 Kinder und Jugendliche zwischen 1986-1991 missbraucht. Die Opfer waren Kinder und nun sind sie Erwachsene. Sie möchten nach langer Zeit ihr Schweigen brechen. Damit beginnt eine neue Diskussion. Missbrauchte, die nicht darüber reden, sind die Opfer. In dem Moment, wo man darüber berichtet, versucht man nicht mehr Opfer sein. Der Priester versucht die Wahrheit mit Hilfe der Bibel nachzuweisen, und die anderen versuchen anhand von Gerichtsprozessen die Wahrheit zu zeigen. Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit ist von Politik beeinflusst. Dieses Jahr hat die Berlinale das Motto „Das private ist politisch“. Während die Gerichtsprozessen von diese reale Prozesse immer noch offen ist, veröffentlicht François Ozon sein Film in Berlinale. Es ist also ein politische Akt.

„Alles hat seine bestimmte Zeit … Weinen hat seine Zeit, … Klagen hat seine Zeit, … Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit.“ (Prediger 3,1.4.7)

Quelle: GLB-BK Elberfelder Übersetzung. in: Bibelkommentare.de, unter: https://www.bibelkommentare.de/bibel/elb_bk/prediger/3 (Abgerufen um 12.02.2019)

Text von mehradsepahnia