Vor und im Aufzug

Dieser Workshop ist besonders: Wir treffen uns in der 16 Etage eines ehemaligen Hotels, diskutieren Filme und schreiben Texte. Hier hinauf zu kommen dauert manchmal eine Ewigkeit. Jeder, der es nach oben schafft, sagt: Die Fahrt hier hinauf wäre ein Kurzfilm oder auch drei Kurzfilme: Das Warten auf den Aufzug, (gestern erst erzählte jemand, eine Frau sei in Tränen ausgebrochen und dann weggerannt), die Fahrt nach oben (der Aufzug hält in etlichen Etagen, die Türen öffnen sich und niemand steigt ein) und das Treppenhaus (sobald der Aufzug ausfällt, müssen die 16 Etagen zu Fuß bewältigt werden). Im Haus wohnen seit zwei Jahren geflüchtete Menschen zusammen mit Bewohnern, die seit 30 Jahren im ehemaligen Hotel Bellevue leben. Momentan ist einer der beiden Aufzüge außer Betrieb, so dass sich beide Bewohnergruppen, die vorher getrennt Aufzüge benutzen, jetzt mischen. Abends, wenn wir nach Hause fahren, tümmeln sich Teenager im Lift, Mädchen mit Vokabelheften, die sich gegenseitig Konjunktionen abfragen. Von hier oben blicken wir auf die Stadt und die Berlinale, die ganz nah am Potsdamer Platz stattfindet, für uns der perfekte Ausgangsort für die Kinobesuche, Treffen, das gemeinsame Kochen und Essen, Veröffentlichen. Es wird wohl das letzte Jahr sein. Ende 2019 müssen alle ausziehen.

Text von cnskatja

Demo. 24.2.2018. Brandenburger Tor.

In Berlin lässt sich die Freiheit atmen, weil es meistens die Möglichkeit gibt „Nein“ zu sagen. In Berlin fühlt man die Hilfslosigkeit nicht, denn die Stimme kann andere erreichen. Am Brandenburger Tor, den 24.2.2018. Anlass der Demonstration ist, dass Assad von Russland unterstützt wird und Ghouta, das östlich von Damaskus liegt, angreifen. Es leben dort noch tausende Menschen, Kinder, Frauen, Männer. Ihre Wohnungen mussten sie verlassen und leben seitdem in provisorischen Unterkünften. In Ghouta sind die Menschen bereits seit Jahren eingeschlossen. Die heimlich gefilmten, durchgesickerten Videos und Bilder aus der Stadt, die im Internet und Fernsehen kursieren, sind unheimlich und fruchtbar. Das wenigste, was die Menschen dagegen machen können ist für mehr Humanität zu protestieren und STOP zu sagen. In Berlin wird eine Demonstration von der Polizei geschützt, in Syrian ist die Situation genau umgekehrt. Aber wen interessiert das? Und wer akzeptiert die Entscheidung der UN? Ein arabisches Sprichwort sagt: „Wer geschlagen wird, ist nicht gleich dem, der die Schläge zählt“. Die Menschen in Ghouta werden umgebracht und die Welt wartet, aber auf was!

Text eines Projektteilnehmers

Get Ready!

Am 8. Februar trafen wir uns, um in einem Marathon, der fünf Stunden dauerte, die Eintrittskarten für die Berlinale zu bestellen. Erstmal ging es darum zu verstehen, wie sich die Berlinale aufbaut und die verschiedenen Sektionen sowie ihre Schwerpunkte kennenzulernen. 20 Teilnehmer*innen wälzten und blätterten das Begleitheft, markierten Filme, Nummern, Kinos und Titel, überprüften logitisch Uhrzeiten und Fahrzeiten von einem Kino zum nächsten Vorführort. Weiterlesen „Get Ready!“